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Entwickler | Undercoders
Publisher | Fireshine Games, BOLTRAY GAMES
Genre | Fun-Racer/Fun-Sport
- VORWORT FORMATIDEE -
Ich wollte die Gelegenheit und den kreativen Raum hier nutzen, um ein neues Review-Format auszuprobieren. Darin teile ich das Review in zwei Perspektiven ein: Einmal wird das Spielerlebnis aus meiner emotionalen, enthusiastischen Sicht „bewertet", die andere Perspektive nimmt die pseudo-objektive Sicht meines kritischen Ichs ein, das einen Hang zum Nörgeln hat. Damit möchte ich humorvoll den Zwiespalt aufgreifen, der mir beim Spielen und auch beim Lesen von Tests oft begegnet: „Uff. Scheiß Technik, schlechtes Writing... aber egal, absurd geiles Game!" Genau diesen Vibe möchte ich künftig in meine „Tests" übertragen – auch wenn ich vermute, dass am Ende meistens die Enthusiastin die bestimmende Stimme sein wird.
- DENSHATTACK! WAS, WOHER UND WIE? -
Denshattack! ist eine wilde Kombination aus Tony Hawk mit Zügen und einem Hauch von OlliOlli. Der Artstyle mit bunten Menü-Layouts, Dialogblasen und Anime-Charakteren mischt die Coolness von Jet Set Radio mit dem Anime-Stil von Persona.
Im Spiel begleiten wir die junge Zugführerin und Ramen-Lieferantin Emi durch ein dystopisches Japan. Während ihrer Reise wird sie auf den landesweiten „Denshattack"-Wettbewerb aufmerksam und macht kurzerhand bei diesen X-Games-artigen Score-Attack-Challenges für Zugführer:innen mit.
Dabei gilt es, ähnlich wie in Tony Hawk oder auch OlliOlli, verschiedene Herausforderungen innerhalb der Strecken zu meistern – sei es, bestimmte Events auszulösen, Tricks auszuführen oder Gegenstände einzusammeln. Um Abschnitt für Abschnitt weiterzukommen, reicht anfangs aber schon das simple Beenden der Strecke. Das Erfüllen der Herausforderungen dient in erster Linie der Vervollständigung des Spiels sowie dem eigenen Ansporn. Und es gibt sogar Bosskämpfe, dazu aber später mehr.

- DIE ENTHUSIASTIN -
Was für ein Flow, was für eine Lernkurve, was für ein geiles und abgedrehtes Spiel habe ich hier in den Händen und vor meinen Augen?
Die Mechanik, mit einem eigentlich starren Zug über vorgegebene Gleise zu fahren und mit dieser Einschränkung Geschwindigkeit aufzubauen und Tricks auszuführen, fühlt sich freier an, als ich zunächst vermutet habe. Der Aufbau ist ganz simpel: Via Knopfdruck startet man das Rennen und dann fährt der Zug quasi von allein. Zu Beginn muss man hier nur darauf achten, nicht aus den Kurven zu fliegen und durch die Richtungstaste (linker Analogstick) ein freies Gleis zu erwischen. Mit der Sprungtaste kann man noch Hindernissen ausweichen und beim Fliegen ein paar Tricks (rechter Analogstick) ausführen. Nach und nach erlernt man aber auch neue Mechaniken und die Strecken werden anspruchsvoller. Auch wenn ich zwischendurch etwas überfordert war, ist die angesprochene Lernkurve im Spiel einfach fantastisch. Trotz der absurden Geschwindigkeit entwickelt sich schnell ein gewisser Flow und durch die enorme Kreativität im Streckendesign wird auch das 50. Rennen nicht langweilig.
Galerie: Map & Challenges




Mir klappt aufgrund der kreativen Einfälle im Spiel auch regelmäßig die Kinnlade runter. Jedes Rennen, jedes Gebiet übertrifft das vorherige an Extremen. Allein die Bosskämpfe (ja, es gibt Bosskämpfe) sind jeden Cent wert. Nicht nur werden hier die zuvor erlernten Mechaniken bis zum Äußersten ausgereizt, gleichzeitig muss man auch noch absurden Angriffsmustern ausweichen und mit dem eigenen Zug zum Gegenschlag ausholen – unter anderem mit Hilfe eines übergroßen Baseballs, weil warum auch nicht. Ich möchte aber nicht zu sehr ins Detail gehen, damit für euch die Überraschungen bei den Bossfights nicht zu sehr flöten gehen.
Auch die Geschichte und die Charaktere sind unfassbar charmant geschrieben, bringen teilweise tiefgründige Hintergründe mit und sind herrlich illustriert. Durch kleine Ruhephasen im Spiel, wie das Besuchen japanischer Onsen (heißer Quellen), lernt man Stück für Stück die Charaktere in Dialogen auch besser kennen. In vielen Spielen wirkt solch eine Dreingabe oft wie eine unnötige Streckung, hier aber fügt sie sich so gut ein, wie ich es selten erlebt habe. Auch die sammelbaren Gegenstände, etwa um Sticker für das Besprühen der etlichen Züge freizuschalten, bieten hier einen ordentlichen Motivationsschub. Sowohl die Illustrationen als auch der dystopische „Funk-Punk-Artstyle" und vor allem die Audiotracks passen zum gesamten Vibe des Spiels. Von den schrillen Graffiti-Arts in den Ortschaften bis zum treibenden Sound während der Rennen – alles wirkt einfach unfassbar stimmig.
Galerie: Züüüüügeeee~~




Im Ernst, ich hab lange nicht mehr so viel Freude und Unterhaltung während meiner abendlichen Spielstunden erlebt wie in diesem Spiel!
- DIE NÖRGLERIN -
Bei all der Euphorie sieht mein kritisches Auge auch ein paar Unzulänglichkeiten. Nicht immer haben sich die Strecken gut für mich lesen lassen. Trotz der Richtungs- und Warnhinweise fand ich Abstände zwischen Hindernissen oftmals sehr kurz. Das ständige Wiederholen eines Streckenabschnitts, weil ich Entfernungen einfach nicht richtig einschätzen konnte, hat immer mal wieder frustriert. Auch die zuvor gelobten Audiotracks zünden nicht immer. Schlimmer noch: Aufgrund der schieren Masse an Rennen bleiben sie mir nicht mal wirklich im Gedächtnis.
Galerie: Illustrationen & Dialoge -.^




Aber der Reihe nach! Ein paar der euphorischen Argumente schau ich mir nochmal genauer an...
Zitat von Die EnthusiastinNach und nach erlernt man aber auch neue Mechaniken und die Strecken werden anspruchsvoller. Auch wenn ich zwischendurch etwas überfordert war, ist die angesprochene Lernkurve im Spiel einfach fantastisch.
Überfordert? Erschlagen trifft's hier wohl eher! Es kommen einfach zu schnell zu viele Mechaniken hinzu, sodass man schnell die Übersicht verliert und gelegentlich einen Knoten im Kopf hat... wie ging nochmal das Driften? Sicherlich eine bewusste Entscheidung, um die Lernkurve steil zu halten, aber mich lässt das Gefühl nicht los, dass man die Trial-and-Error-Passagen hier noch etwas besser hätte justieren können.
Zitat von Die EnthusiastinMir klappt aufgrund der kreativen Einfälle im Spiel auch regelmäßig die Kinnlade runter. Jedes Rennen, jedes Gebiet übertrifft das vorherige an Extremen. Allein die Bosskämpfe (ja, es gibt Bosskämpfe) sind jeden Cent wert.
Selbst mein notorisch meckerndes Ich muss hier kapitulieren. Es gibt einfach nichts an den Bossfights auszusetzen, die sind einfach an Genialität kaum zu übertreffen.
Zitat von Die EnthusiastinAuch die Geschichte und die Charaktere sind unfassbar charmant geschrieben, haben teilweise tiefgründige Hintergründe und sind einfach herrlich illustriert.
Zum Zeitpunkt des Reviews habe ich noch keine Platin erlangt, daher ist das eine grobe Schätzung anhand meiner bisherigen Spielerfahrungen und Fortschritts. Am Ende macht vor allem das Absolvieren aller Herausforderungen und das Erreichen aller Goldmedaillen den Schwierigkeitsgrad aus. Geübte Trophy-Hunter können sowohl beim Schwierigkeitsgrad, als auch Zeitaufwand sicher eine "Stufe" niedriger einplanen.
Schwierigkeit | 6-7/10
Zeitaufwand | ~40-50h
Wie toll kann die Geschichte oder die Charaktere sein, wenn ich mich immer wieder mal dabei erwischt habe, wie ich Dialoge weggeklickt habe? Gerade zu Beginn eines Rennens waren die Dialoge irgendwann sogar lästig. Der Überspringen-Button war hier mein bester Freund. Die verschiedenen Charaktere hatten zwar ausgearbeitete Hintergrundgeschichten, aber tiefgründig war die gesamte Handlung nicht. Der Fokus liegt hier eben klar auf dem Gameplay.
- PERSÖNLICHES FAZIT -
Die Nörglerin in mir hat hier überspitzt die Mankos herausgearbeitet, aber auch das sind schon ziemlich nitpicky Punkte. Die Argumentation meines meckernden Ichs ist augenscheinlich aber schon recht dünn. Am Ende bleiben dieser unfassbare Flow, die Kreativität im Streckendesign sowie die Bosskämpfe, die das Spiel so absurd gut machen! Ja, die Lernkurve ist streckenweise brutal und ja, die Story hätte gerne etwas mehr Tiefe vertragen können, aber das sind Nichtigkeiten. Das Spiel ist in seiner Gesamtheit nahezu perfekt, zumindest was meine spielerischen und audiovisuellen Bedürfnisse angeht. Selten habe ich so viel Kreativität in einem Spiel erlebt. Das ist Funsport par excellence. Wirklich, besser geht's nicht.
9.5 von 10 entgleisten Zügen!
Ergänzung: Was haltet ihr von der Formatidee der zwei Perspektiven: Die Enthusiastin & Die Nörglerin? Wie kann die Formatierung der Reviews noch besser gelingen? Gerne Feedback!